An Bord befand sich zwar nur eine Messkapsel, die die Bedingungen eines
Satelliten anbord Ariane aufzeichnen sollte, wäre der Erststart
aber damals shiefgegangen, dann wäre auch das Projekt einer europ.
Rakete entgültig begraben worden und die Eutelsat-Satelliten
hätte man z.B. mit amerikanischen Trägern starten
müssen. Nach mehreren Probestarts, von denen zwar auch ein paar
fehlschlugen, konnte man die Ariane-Rakete als einsatzbereit
erklären.
Der erste europäische
Telekommunikationssatellit trug damals den Namen ECS 1 (european
communications satellite 1) und wurde von British Aerospace
hergestellt. Am 16. Juni 1983 war dann der Tag gekommen als ECS 1 mit
einer Ariane 1 ins All gestartet wurde. Die Ariane stellte ihren Erfolg
zum Beweis. Ab dem 9. Start an wurde die Vermarktung der Ariane in die
Hände der französichen Firma Arianespace gelegt und die
Entwicklung weiterer noch leistungsfähigerer Ariane-Raketen war
schon auf Hochtouren.
ECS 1 wurde dann auf der Orbitposition 13° Ost positioniert. Der
erste Kunde war der Medienunternehmer Murdoch und startete den
Sky-Channel auf ECS 1. Der erste Fernsehsatellit Europas war geboren.
Die
Entwicklung der zweiten EUTELSAT-Serie resultierte damals aus der
Konkurrenz mit dem privat aus Luxemburg betriebenen Astra-System,
welches eine höhere Sendeleistung hat als die 1.
EUTELSAT-Generation und ebenfalls auf Europa ausgerichtet war. Für
EUTELSAT II war nur noch eine Antennengröße von ca. 75 cm
notwendig im Gegensatz zu bisher 1.20 cm bei EUTELSAT I (ECS). Die
zunehmende Beliebtheit des Astra-Systems in Deutschland führte
dazu, dass die dt. Programmanbieter ihre Programme von Eutelsat auf
Astra umschalteten. Somit blieb Eutelsat auf deutschem Sprachmarkt
viele Jahre relativ erfolglos. EUTELSAT II F1 wurde damals auf 13°
Ost positioniert und ersetzte dort ECS 4, welcher auf 7° Ost
verschoben wurde. Januar 1991 wurde EUTELSAT II F2 gestartet, welcher
wiederum auf 10° Ost zum Ersatz von EUTELSAT II F5 geparkt wurde.
Gerade diese Position war für den türkischen Sprachraum sehr
interessant, denn hier befinden sich heute noch viele lukrative
türk. Programme. Im Dezember 1991 folgte dann der dritte Satellit
der EUTELSAT II-Generation, diesmal mit einer Atlas-Rakete. Dieser
wurde auf die Position 16° Ost positioniert. Schon wenig
später gab es Streit zwischen Eutelsat und der Konkurrenz SES, der
Astra-Betreiber. Es ging dabei um die von EUTELSAT II F3 belegte
Position 16.0° Ost. Man meinte, dass es zu Störungen beim
Empfang der Astra-Satelliten kommen könnte, die sich in
unmittelbarer Nachbarschaft auf 19.2° Ost befinden. Die Aufregung
von SES gilt aber als unbegründet, denn zu Störungen kann es
bei korrekt ausgerichteter Empfangsantenne nicht kommen. Ein neues
Feature hat der vierte Satellit der 2. Generation, welcher im Juli 1992
mit einer Ariane 4 gestartet worden ist: einen auf Westrussland
gerichteten Beam. Damit konnte Eutelsat neue Märkte über
7° Ost erreichen. Eutelsat hat sich 1993 auch die Rechte für
eine weitere Position (36° Ost) gesichert. Und dort sollte auch
EUTELSAT II F5 positioniert werden, um weitere Gebiete Rußlands
abzudecken. Doch leider ging dieser 63. Ariane-Start schief. Dies war
der erste Fehlstart der Ariane-Rakete gewesen seit vier Jahren. Durch
ein Versagen der dritten Raketenstufe, gelang die gesamte Oberstufe mit
EUTELSAT II F5 und TÜRKSAT 1A zurück zur Erde und
verglühte schließlich über dem Atlantik. Trotz dieses
Fehlstarts schalteten zwei deutsche Musiksender VIVA 1 und 2 auf
EUTELSAT II F1 13° Ost auf. Bei den Musikfans stellte sich eine
Beliebtheit dieser Position heraus, denn auch hier waren MTV und VH1
unverschlüsselt zu empfangen. Eutelsat plante nun die Position
13° Ost auszubauen, in dem er wie seine Konkurenz Astra mehrere
Satelliten auf diese Position packte, die auf unterschiedlichen
Frequenzen senden und um dadurch für den Empfänger eine
größtmögliche Kanalkapazität anbieten zu
können ohne die Antenne zu drehen.
Am 29. März 1995 wurde EUTELSAT
II F6 erfolgreich mit einer Ariane gestartet und wurde den Namen
HOTBIRD 1 verliehen. Vier weitere HOTBIRDs sollten dann in den
nächsten Jahren folgen. Gestartet wurde HOTBIRD 2 1996 mit einer
Atlas-Rakete, HOTBIRD 3 1997 mit Ariane 4, HOTBIRD 4 am 1998 mit Ariane
4 und HOTBIRD 5 im Oktober 1998 mit einer Atlas. Auch das digitale
Zeitalter ist bei Eutelsat voll eingezogen. Und so überträgt
Eutelsat heute hunderte Fernseh- und Radikanäle vor allem für
den italienischen, türkischen, russischen und mediterranen Raum.
Die inzwischen in die Jahre gekommenen Satelliten der ersten Generation
wurden inzwischen in den Friedhofsorbit versetzt und die EUTELSAT
II-Satelliten auf 7° durch EUTELSAT W3, 10° durch EUTELSAT W1
und 16° Ost durch EUTELSAT W2 ersetzt. Die EUTELSAT II-Satelliten
senden derzeit im inclined Orbit nur noch sporadische
Übertragungsfeeds und werden auch bald aus dem geostationären
Orbit entfernt.
Die "russische"
Position 36° Ost hat Eutelsat nach dem Fehlstart von EUTELSAT II F5
nicht aufgegeben und somit plazierte Eutelsat dort zwei Satelliten
EUTELSAT SESAT und EUTELSAT W4. Um EUTELSAT W1, der auf 10° Ost
positioniert werden sollte, gab es auch ein Unglück: der Satellit
wurde durch einen Wasserschaden im Herstellerwerk von Alcatel Space
(damals Aerospatiale) zerstört. Der Erstatzsatellit (auch mit
Namen EUTELSAT W1 oder W1R) wurde im September 2000 als vorerst letzter
Satellit der W-Serie mit einer Ariane erfolgreich gestartet und auf
10° Ost gesetzt. Mit Eutelsats Erschließung der Positionen
8° West und 12.5° West hat sich Eutelsat eine weitere
strategische Marktposition erschlossen, denn von dort ist es
möglich, Westamerika, Südamera, Europa und Nordarabien sowie
den nahen Osten zu erreichen. Einer von zwei Satelliten dieser Atlantic
Gate-Positionen wurde bereits gestartet. ATLANTIC BIRD 2 sendet auf
8° West und ATLANTIC BIRD 1 wird im Jahr 2002 folgen. Auf diesen
Positionen betrieb die France Telecom früher ihre
Télécom-Satelliten, von denen die derzeit noch aktiven
von Eutelsat weiter betrieben werden. Auch um die Vergabe der Position
28° Ost gab es mit Astra Streit. Denn dort befanden sich die
deutschen Satelliten Kopernikus, die Eutelsat ebenfalls (damals noch
von der Deutschen Bundespost) übernahm. Da sich Astra diese
Position an Land griff, mußte man einen Kompromiss finden. Nun
senden dort vier Astra-Satelliten und einer von Eutelsat im Jahre 2001
gestarteten Satelliten EUROBIRD, der hauptsächlich den britischen
und tschechischen Sprachraum versorgt.
Eutelsat ist inzwischen einer der Top
1-Satellitenbetreiber der Welt geworden und dazu tragen sicher nicht
nur die Erschließung neuer Märkte (siehe Atlantic Gate) bei,
sondern auch die Privatisierung des Unternehmens im Jahr 2001.
Eutelsat, mit seinem Sitz heute in Paris, war bis dahin ein staatliches
Unternehmen. Eutelsat betreibt neben den
Télécom-Satelliten aus Frankreich und den
Kopernikus-Satelliten aus Deutschland auch noch russische Satelliten
wie z.B. EXPRESS 3A. Eutelsat hat Allianzen mit Hispasat geschlossen
und plant den Start weiterer Satelliten in den kommenden Jahren z.B.
EBIRD, der erste Eutelsat-Satellit, der nur für
Internet-Breitband-Übertragungen im Ka-Band gedacht ist. Eutelsat
wird auch in der Zukunft den Wettbewerb im
Telekommunikationsgeschäft weiter sichern und die Menschen in den
Kontinenten Europa, Westasien und Amerika miteinander verbinden.
| Satellit | Startdatum | Rakete | Hersteller | designierte Position |
|---|---|---|---|---|
| ECS 1 | 16.06.1983 | Ariane 1 | British Aerospace | 13° Ost |
| ECS 2 | 04.08.1984 | Ariane 3 | British Aerospace | 7° Ost |
| ECS 3 | 12.09.1985 gescheitert | Ariane 3 | British Aerospace | 13° Ost |
| ECS 4 | 16.09.1987 | Ariane 3 | British Aerospace | 10° Ost |
| ECS 5 | 21.07.1988 | Ariane 3 | British Aerospace | 13° Ost |
| EUTELSAT II F1 | 30.08.1990 | Ariane 44LP | Aerospatiale | 13° Ost |
| EUTELSAT II F2 | 15.01.1991 | Ariane 44L | Aerospatiale | 10° Ost |
| EUTELSAT II F3 | 07.12.1991 | Atlas 2 | Aerospatiale | 16° Ost |
| EUTELSAT II F4 | 09.07.1992 | Ariane 44L | Aerospatiale | 7° Ost |
| EUTELSAT II F5 | 24.01.1994 gescheitert | Ariane 44LP | Aerospatiale | 36° Ost |
| EUTELSAT II F6 (HOTBIRD 1) | 29.03.1995 | Ariane 44LP | Aerospatiale | 13° Ost |
| HOTBIRD 2 | 21.11.1996 | Atlas 2A | Matra Marconi Space | 13° Ost |
| HOTBIRD 3 | 02.09.1997 | Ariane 44LP | Matra Marconi Space | 13° Ost |
| HOTBIRD 4 | 27.02.1998 | Ariane 42P | Matra Marconi Space | 13° Ost |
| EUTELSAT W1 | im Werk zerstört | - | Aerospatiale (Alcatel Space) | 10° Ost |
| EUTELSAT W2 | 05.10.1998 | Ariane 44L | Alcatel Space (Aerospatiale) | 16° Ost |
| HOTBIRD 5 -> EUROBIRD 2 -> ARABSAT 2D | 09.10.1998 | Atlas 2A | Matra Marconi Space | (13° Ost) |
| EUTELSAT W3 | 12.04.1999 | Atlas 2AS | Alcatel Space | 7° Ost |
| EUTELSAT SESAT | 18.04.2000 | Proton | Alcatel Space | 36° Ost |
| EUTELSAT W4 | 24.05.2000 | Atlas 3A | Alcatel Space | 36° Ost |
| EUTELSAT W1(R) | 06.09.2000 | Ariane 44P | Astrium (Matra Marconi Space) | 10° Ost |
| EUROBIRD | 08.03.2001 | Ariane 5G | Alcatel Space | 28° Ost |
| ATLANTIC BIRD 2 | 25.09.2001 | Ariane 44P | Alcatel Space | 8° West |
| ATLANTIC BIRD 3 | 05.07.2002 | Ariane 5G | Alenia Aerospazio | 5° West |
| HOTBIRD 6 | 21.08.2002 | Atlas 5 | Alcatel Space | 13° Ost |
| ATLANTIC BIRD 1 | 28.08.2002 | Ariane 5G | Alenia Aerospazio | 12.5° West |
| EUTELSAT W5 | 20.11.2002 | Delta 4 | Astrium | 70.5° Ost |
| HOTBIRD 7 | 11.12.2002 gescheitert | Ariane 5ECA | Astrium | 13° Ost |
| EBIRD | 2003 | Ariane 5 | Boeing Satellite Systems | 24° Ost |