Satellitenhistorie - ESA, Ariane & Eutelsat

Als 1975 langsam die ESA hervorging wurde von Anfang an die Bedeutung eines europ. Satellitensystems hervorgehoben. 1977 hat die europäische Zentrale für Telkommunikation und Post CEPT die Gründung von (Interim)-Eutelsat zugestimmt. Das Ziel war es, die Übertragung von Ferngesprächen und Fernsehbildern zu übernehmen.
1979 gab es das erste Abkommen mit der ESA und man einigte sich auf den Start von 5 Satelliten in die geostationäre Umlaufbahn. Eng damit verknüpft war auch der anabhängige Zugang zum Weltraum. Nachdem die Entwicklung der erfolglosen EUROPA-Rakete auf Eis gelegt wurde, wurde die Trägerrakete Ariane 1 ins Leben gerufen. Diese sollte von Frankreich entwickelt und durch die ESA-Mitgliedstaaten finanziert werden. Auch die Franzosen stellten den Startplatz für die Ariane-Rakete zur Verfügung: Kourou in Französich Guayana, einer Überseeregion in Südamerika. Nach mehreren Verzögerungen klappte der erste Versuch problemlos und die Ariane 1 mit Flugnummer L01 hob an Heiligabend 1979 von Kourou ab.
Erster Ariane-Start An Bord befand sich zwar nur eine Messkapsel, die die Bedingungen eines Satelliten anbord Ariane aufzeichnen sollte, wäre der Erststart aber damals shiefgegangen, dann wäre auch das Projekt einer europ. Rakete entgültig begraben worden und die Eutelsat-Satelliten hätte man z.B. mit amerikanischen Trägern starten müssen. Nach mehreren Probestarts, von denen zwar auch ein paar fehlschlugen, konnte man die Ariane-Rakete als einsatzbereit erklären.
ECS 1 im WerkDer erste europäische Telekommunikationssatellit trug damals den Namen ECS 1 (european communications satellite 1) und wurde von British Aerospace hergestellt. Am 16. Juni 1983 war dann der Tag gekommen als ECS 1 mit einer Ariane 1 ins All gestartet wurde. Die Ariane stellte ihren Erfolg zum Beweis. Ab dem 9. Start an wurde die Vermarktung der Ariane in die Hände der französichen Firma Arianespace gelegt und die Entwicklung weiterer noch leistungsfähigerer Ariane-Raketen war schon auf Hochtouren.
Start von ECS 1 ECS 1 wurde dann auf der Orbitposition 13° Ost positioniert. Der erste Kunde war der Medienunternehmer Murdoch und startete den Sky-Channel auf ECS 1. Der erste Fernsehsatellit Europas war geboren.
Schon am 4. August 1984 wurde ECS 2 mit einer Ariane 3 erfolgreich gestartet und wurde auf 7° Ost positioniert, von der er für reine Telefongesprächsübertragung vorgesehen war. Auf ECS 1 wurden schon 1985 die deutschen Programme Sat.1 und 3sat aufgeschaltet. Im gleichen Jahr, am 1. September fand auch die eigentliche Geburt Eutelsats statt, doch leider mußte man 12 Tage später mit dem Fehlstart von ECS 3 einstecken, da die Ariane 3 versagte. Schon 1985 waren an Eutelsat fast 30 Mitgliedstaaten beteiligt von Anfangs nur 17.
Am 17. September 1987 wurde ECS 4 erfolgreich mit einer Ariane 3 gestartet und wurde auf 10° Ost positioniert. Als die Rai-Programme auf ECS 4 aufgeschaltet wurden, konnte man zunehmend italienische Zuschauer begrüßen. Auch ECS 5, der eigentlich den inzwischen altersschwachen ECS 1 auf 13° Ost entlasten sollte, wurde am 21. Juli 1988 gestartet. Nach kurzer Betriebsdauer von ECS 5 stellte sich aber heraus, dass ein Teil der Transponder nicht funktioniert. Kurzerhand entschloss man, ECS 5 auf 10° Ost zu verschieben und den dort befindlichen ECS 4 auf 13° zu manövrieren.
1988 kam auch für die Ariane 3 ein leistungsstarker Nachfolger, die Ariane 4, die bis heute die erfolgreichste unbemannte Trägerrakete ist. Schon EUTELSAT II F1, der erste Satellit der zweiten Generation, wurde mit einer Ariane 4 am 30. August 1991 gestartet.
Ein EUTELSAT II bei den Startvorbereitungen in KourouDie Entwicklung der zweiten EUTELSAT-Serie resultierte damals aus der Konkurrenz mit dem privat aus Luxemburg betriebenen Astra-System, welches eine höhere Sendeleistung hat als die 1. EUTELSAT-Generation und ebenfalls auf Europa ausgerichtet war. Für EUTELSAT II war nur noch eine Antennengröße von ca. 75 cm notwendig im Gegensatz zu bisher 1.20 cm bei EUTELSAT I (ECS). Die zunehmende Beliebtheit des Astra-Systems in Deutschland führte dazu, dass die dt. Programmanbieter ihre Programme von Eutelsat auf Astra umschalteten. Somit blieb Eutelsat auf deutschem Sprachmarkt viele Jahre relativ erfolglos. EUTELSAT II F1 wurde damals auf 13° Ost positioniert und ersetzte dort ECS 4, welcher auf 7° Ost verschoben wurde. Januar 1991 wurde EUTELSAT II F2 gestartet, welcher wiederum auf 10° Ost zum Ersatz von EUTELSAT II F5 geparkt wurde. Gerade diese Position war für den türkischen Sprachraum sehr interessant, denn hier befinden sich heute noch viele lukrative türk. Programme. Im Dezember 1991 folgte dann der dritte Satellit der EUTELSAT II-Generation, diesmal mit einer Atlas-Rakete. Dieser wurde auf die Position 16° Ost positioniert. Schon wenig später gab es Streit zwischen Eutelsat und der Konkurrenz SES, der Astra-Betreiber. Es ging dabei um die von EUTELSAT II F3 belegte Position 16.0° Ost. Man meinte, dass es zu Störungen beim Empfang der Astra-Satelliten kommen könnte, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft auf 19.2° Ost befinden. Die Aufregung von SES gilt aber als unbegründet, denn zu Störungen kann es bei korrekt ausgerichteter Empfangsantenne nicht kommen. Ein neues Feature hat der vierte Satellit der 2. Generation, welcher im Juli 1992 mit einer Ariane 4 gestartet worden ist: einen auf Westrussland gerichteten Beam. Damit konnte Eutelsat neue Märkte über 7° Ost erreichen. Eutelsat hat sich 1993 auch die Rechte für eine weitere Position (36° Ost) gesichert. Und dort sollte auch EUTELSAT II F5 positioniert werden, um weitere Gebiete Rußlands abzudecken. Doch leider ging dieser 63. Ariane-Start schief. Dies war der erste Fehlstart der Ariane-Rakete gewesen seit vier Jahren. Durch ein Versagen der dritten Raketenstufe, gelang die gesamte Oberstufe mit EUTELSAT II F5 und TÜRKSAT 1A zurück zur Erde und verglühte schließlich über dem Atlantik. Trotz dieses Fehlstarts schalteten zwei deutsche Musiksender VIVA 1 und 2 auf EUTELSAT II F1 13° Ost auf. Bei den Musikfans stellte sich eine Beliebtheit dieser Position heraus, denn auch hier waren MTV und VH1 unverschlüsselt zu empfangen. Eutelsat plante nun die Position 13° Ost auszubauen, in dem er wie seine Konkurenz Astra mehrere Satelliten auf diese Position packte, die auf unterschiedlichen Frequenzen senden und um dadurch für den Empfänger eine größtmögliche Kanalkapazität anbieten zu können ohne die Antenne zu drehen.
HOTBIRD 1-StartAm 29. März 1995 wurde EUTELSAT II F6 erfolgreich mit einer Ariane gestartet und wurde den Namen HOTBIRD 1 verliehen. Vier weitere HOTBIRDs sollten dann in den nächsten Jahren folgen. Gestartet wurde HOTBIRD 2 1996 mit einer Atlas-Rakete, HOTBIRD 3 1997 mit Ariane 4, HOTBIRD 4 am 1998 mit Ariane 4 und HOTBIRD 5 im Oktober 1998 mit einer Atlas. Auch das digitale Zeitalter ist bei Eutelsat voll eingezogen. Und so überträgt Eutelsat heute hunderte Fernseh- und Radikanäle vor allem für den italienischen, türkischen, russischen und mediterranen Raum. Die inzwischen in die Jahre gekommenen Satelliten der ersten Generation wurden inzwischen in den Friedhofsorbit versetzt und die EUTELSAT II-Satelliten auf 7° durch EUTELSAT W3, 10° durch EUTELSAT W1 und 16° Ost durch EUTELSAT W2 ersetzt. Die EUTELSAT II-Satelliten senden derzeit im inclined Orbit nur noch sporadische Übertragungsfeeds und werden auch bald aus dem geostationären Orbit entfernt.
Die Eutelsat-Flotte im Jahre 2001Die "russische" Position 36° Ost hat Eutelsat nach dem Fehlstart von EUTELSAT II F5 nicht aufgegeben und somit plazierte Eutelsat dort zwei Satelliten EUTELSAT SESAT und EUTELSAT W4. Um EUTELSAT W1, der auf 10° Ost positioniert werden sollte, gab es auch ein Unglück: der Satellit wurde durch einen Wasserschaden im Herstellerwerk von Alcatel Space (damals Aerospatiale) zerstört. Der Erstatzsatellit (auch mit Namen EUTELSAT W1 oder W1R) wurde im September 2000 als vorerst letzter Satellit der W-Serie mit einer Ariane erfolgreich gestartet und auf 10° Ost gesetzt. Mit Eutelsats Erschließung der Positionen 8° West und 12.5° West hat sich Eutelsat eine weitere strategische Marktposition erschlossen, denn von dort ist es möglich, Westamerika, Südamera, Europa und Nordarabien sowie den nahen Osten zu erreichen. Einer von zwei Satelliten dieser Atlantic Gate-Positionen wurde bereits gestartet. ATLANTIC BIRD 2 sendet auf 8° West und ATLANTIC BIRD 1 wird im Jahr 2002 folgen. Auf diesen Positionen betrieb die France Telecom früher ihre Télécom-Satelliten, von denen die derzeit noch aktiven von Eutelsat weiter betrieben werden. Auch um die Vergabe der Position 28° Ost gab es mit Astra Streit. Denn dort befanden sich die deutschen Satelliten Kopernikus, die Eutelsat ebenfalls (damals noch von der Deutschen Bundespost) übernahm. Da sich Astra diese Position an Land griff, mußte man einen Kompromiss finden. Nun senden dort vier Astra-Satelliten und einer von Eutelsat im Jahre 2001 gestarteten Satelliten EUROBIRD, der hauptsächlich den britischen und tschechischen Sprachraum versorgt.
Eutelsat ist inzwischen einer der Top 1-Satellitenbetreiber der Welt geworden und dazu tragen sicher nicht nur die Erschließung neuer Märkte (siehe Atlantic Gate) bei, sondern auch die Privatisierung des Unternehmens im Jahr 2001. Eutelsat, mit seinem Sitz heute in Paris, war bis dahin ein staatliches Unternehmen. Eutelsat betreibt neben den Télécom-Satelliten aus Frankreich und den Kopernikus-Satelliten aus Deutschland auch noch russische Satelliten wie z.B. EXPRESS 3A. Eutelsat hat Allianzen mit Hispasat geschlossen und plant den Start weiterer Satelliten in den kommenden Jahren z.B. EBIRD, der erste Eutelsat-Satellit, der nur für Internet-Breitband-Übertragungen im Ka-Band gedacht ist. Eutelsat wird auch in der Zukunft den Wettbewerb im Telekommunikationsgeschäft weiter sichern und die Menschen in den Kontinenten Europa, Westasien und Amerika miteinander verbinden.
Derzeitiger Eutelsat-Generaldirektor Guilliano Beretta:

Eine Übersicht über die Eutelsat-Satelliten chronologisch (Stand 01/2003):
Satellit Startdatum Rakete Hersteller designierte Position
ECS 1 16.06.1983 Ariane 1 British Aerospace 13° Ost
ECS 2 04.08.1984 Ariane 3 British Aerospace 7° Ost
ECS 3 12.09.1985 gescheitert Ariane 3 British Aerospace 13° Ost
ECS 4 16.09.1987 Ariane 3 British Aerospace 10° Ost
ECS 5 21.07.1988 Ariane 3 British Aerospace 13° Ost
EUTELSAT II F1 30.08.1990 Ariane 44LP Aerospatiale 13° Ost
EUTELSAT II F2 15.01.1991 Ariane 44L Aerospatiale 10° Ost
EUTELSAT II F3 07.12.1991 Atlas 2 Aerospatiale 16° Ost
EUTELSAT II F4 09.07.1992 Ariane 44L Aerospatiale 7° Ost
EUTELSAT II F5 24.01.1994 gescheitert Ariane 44LP Aerospatiale 36° Ost
EUTELSAT II F6 (HOTBIRD 1) 29.03.1995 Ariane 44LP Aerospatiale 13° Ost
HOTBIRD 2 21.11.1996 Atlas 2A Matra Marconi Space 13° Ost
HOTBIRD 3 02.09.1997 Ariane 44LP Matra Marconi Space 13° Ost
HOTBIRD 4 27.02.1998 Ariane 42P Matra Marconi Space 13° Ost
EUTELSAT W1 im Werk zerstört - Aerospatiale (Alcatel Space) 10° Ost
EUTELSAT W2 05.10.1998 Ariane 44L Alcatel Space (Aerospatiale) 16° Ost
HOTBIRD 5 -> EUROBIRD 2 -> ARABSAT 2D 09.10.1998 Atlas 2A Matra Marconi Space (13° Ost)
EUTELSAT W3 12.04.1999 Atlas 2AS Alcatel Space 7° Ost
EUTELSAT SESAT 18.04.2000 Proton Alcatel Space 36° Ost
EUTELSAT W4 24.05.2000 Atlas 3A Alcatel Space 36° Ost
EUTELSAT W1(R) 06.09.2000 Ariane 44P Astrium (Matra Marconi Space) 10° Ost
EUROBIRD 08.03.2001 Ariane 5G Alcatel Space 28° Ost
ATLANTIC BIRD 2 25.09.2001 Ariane 44P Alcatel Space 8° West
ATLANTIC BIRD 3 05.07.2002 Ariane 5G Alenia Aerospazio 5° West
HOTBIRD 6 21.08.2002 Atlas 5 Alcatel Space 13° Ost
ATLANTIC BIRD 1 28.08.2002 Ariane 5G Alenia Aerospazio 12.5° West
EUTELSAT W5 20.11.2002 Delta 4 Astrium 70.5° Ost
HOTBIRD 7 11.12.2002 gescheitert Ariane 5ECA Astrium 13° Ost
EBIRD 2003 Ariane 5 Boeing Satellite Systems 24° Ost
Bildernachweis: Eutelsat, ESA, Ravensburg-Verlag

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