Galerie: Die Betzdorf-Station

... ist das Nervenzentrum des Astra-Systems und der Firmensitz von SES-Global, SES-ASTRA und vielen anderen Multimediadienstleistern. Betzdorf selbst ist ein kleines Dorf zwischen Trier und Luxemburg-Stadt. Es ist von Trier innerhalb von weniger als 30 Minuten zu erreichen.
Im folgenden möchte ich das Kontrollzentrum näher vorstellen, wobei ich mich vor allem auf die Anfänge von Astra beziehe.



Die Bodenstation befindet sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses Betzdorf (Chateau de Betzdorf). Dort hat der Großherzog von Luxemburg mehrere Jahre mit seiner Familie gelebt. Bevor die SES 1985 gegründet wurde und das Gebäude bezog, stand es jedoch einige Jahre leer und war stark sanierungsbedürftig.



Am 13. Mai 1986 wurde der erste Spatenstich für die Satellitenbodenstation nahe des Schlosses Betzdorf gelegt und ab August 1986 wurde das Schloß dann restauriert und erweitert.
Nachdem Astra 1A in Auftrag gegeben wurde, gingen die Vorbereitungen für die Bodenstation in Luxemburg weiter. Im November 1986 wurde der Rohbau abgeschlossen und der Einbau der technischen Ausrüstung begonnen. Das Kontrollzentrum in der ursprünglichen Form hat eine Fläche von 1700 m2. Ebenfalls wurde eine 11 m große Uplinkantenne für den Satelliten und eine kleine mobile Antenne auf dem Gelände errichtet.
Ende 1987 wurden ASTRA 1A sowie die Bodenstation für den Betrieb fertig gestellt.
1988 wurde dann Astra 1A gestartet und die Kontrolle in Betzdorf begann nun nach monatelangen Probeläufen. In den folgenden Wochen nach dem Start wurden wesentliche Tests des Satelliten durchgeführt. Am 8. Januar 89 wurden alle 22 Transponder eingehend getestet, mit einem 100% positiven Ergebnis. Am 10. Januar wurden weitere Tests durchgeführt. Ab 22. Januar erfolgten erstmals Videoübertragungen.

Das folgende linke Bild stammt von 1987 und ist eine der ersten Aufnahmen der fertigen Bodenstation. Rechts daneben etwas jüngere Bilder, auf denen ein zweiter Uplinkspiegel BTZ#2 (9,0 m) zu erkennen ist.

 

BTZ#2 ist bis heute der eigentliche Spiegel für Astra 1A:



1990 wurde das Equipment für Astra 1B ergänzt, der 1991 gestartet wurde. Im Bild ganz links ist die Parabolantenne 9,5 m für Astra 1B.



Die Station war und ist genaugenommen eine Zusammenfassung mehrerer Kontrolleinheiten und ist eine Einrichtung die rund um die Uhr mit Personal besetzt ist. Während des Baus 1986 wurde Platz für folgende Einrichtungen geschaffen:


Satellite Operations Centre (SOC):
Diente anfangs zur Überwachung und Steuerung des Astra 1A und eines zweiten Satelliten.
Von hier aus werden alle Parameter, die die Gesundheit des Satelliten und den Status seiner Subsysteme betreffen, überwacht und notfalls über Kontrolleinheiten Steuersignale zum Satelliten gesendet.
Solche Parameter sind z.B. Lage, Temperaturhaushalt, Energiebedarf, Solarleistung, Füllstand der Tanks usw.
Die Mitarbeiter des SOCs entscheiden über den möglichst sparsamen Einsatz von Resourcen, um die Lebensdauer des Satelliten lang zu halten.
Die Kontrolleinheiten sind redundant (mehrfach ausgelegt). Im folgenden Bild zu sehen, die Kontrolleinheit für Astra 1A. Hinter der Glaswand befanden sich weitere elektronische Kontrollschränke.
SOC

Network Operations Centre (NOC):
Direkt neben dem SOC befiand sich damals das NOC. Von hier aus wurden alle 16 Satellitentransponder ständig auf Ihre Signalleistung überwacht. Ins Auge fällt sofort die Monitorwand, auf der jeder Satellitenkanal angezeigt werden konnte.

NOC

So konnte im Fehlerfall schnell reagiert werden. Das NOC stand in engem Kontakt mit den Sende-/Uplinkstationen der jeweiligen Sender für das Astra-System überall in Europa. Ebenfalls wurden andere Zuspieloptionen bei Senderausfall eingesetzt. Durch diese Koordinierung des Uplink-Netwerks erhiellt das NOC seinen Namen.
Natürlich wird ein Teil der Programme von Betzdorf selbst zu Astra uplinked. Diese Steuerung erfolgte auch vom NOC.
Das NOC in der ersten Form bot noch Platz für Astra 1B, für einen dritten Satelliten jedoch nicht mehr.

Ground Operations:
Ground Operations beschäftigt sich mit der Logistik rund um das Kontrollzentrum, wie Energie- und Wasserversorgung, Notfallmanagment, Klimatisierung und die Außenanlagen. Bei Stromausfall wird automatisch auf einen Notstromgenerator bzw. Batterien umgeschaltet.

Während die Planungen für Astra 1C & 1D stattfanden, stellte sich heraus, daß das Kontrollzentrum zu klein war. Man rechnete vor dem Bau noch nicht mit dem schnellen Erfolg des Astra-Systems und auch nicht mit einer schnellen Erweiterung.

Von Juli 1991 bis März 1992 wurde die Bodenstation erweitert. Dies bot folgende Neuerungen: Platz für weitere Satellitenkontrolleinheiten, Platz für weitere Parabolspiegel z.B. Astra 1C, Schaffung zusätzlicher Büros und Labors, usw.
Beispielsweise wurde ein Transpondersimulationszentrum erstmals in Betrieb genommen. Die Fläche des Anbaus betrug 2400 m2
Um 1993 entstandene Bilder:




Auch NOC und SOC wurden erweitert.
Steuereinheit für Astra 1C, 1D und 1E im SOC (links im Bild):



Vergrößerung des NOC:


Eine letzte Neuerung war 1993 eine Reservestation, die sich etwa 100m südlich der Hauptanlagen befindet. Die Reservestation enthält Komponenten, die zumindest den Funkkontakt und die Position der Satelliten im Falle eines Totalausfalls der Hauptanlage gewährleisten sollte. Zu dieser Station gehörte damals auch eine eigene Uplinkantenne, die bis heute natürlich ebenfalls erweitert wurde.

Eine weitere Ausbaustufe der Hauptanlagen folgte dann mit dem Bau der Digital Technical Facility von Juni 1994 bis September 1995. Die zusätzliche Fläche betrug 10200 m2. Hierbei wurden Einrichtungen ergänzt, die für die digitale Satellitenübertragung (ab Astra 1E) gewidmet waren. Das ist z.B. das NOC für digitale Übertragungen, welches DINO genannt wird. Weitere Neuerungen sind ein Blockheizkraftwerk und eine Tiefgarage für Mitarbeiter hinter den Hauptgebäuden. Ausbaustufe 2 sollte auch auf lange Zeit genügend Kapazität für Ergänzungen bieten. Seit 1995 wurden in der Betzdorfer Kontrollstation keine nennenswerten Gebäude mehr ergänzt.

Bau weiterer Uplinkspiegel (hier Astra 1F):


Betzdorf 1995. Rechts zu sehen ist die weiter oben erwähnte Reservestation:



Betzdorf 1998:


Digitale Multiplexingeinheiten:


Das DINO (links) ca. 1997 und das Multimedia Operations Centre (MOC):


DINO lief bis ca. 2003 parallel zum NOC, welches ausschließlich analoge Programme überwacht hat.
NOC 1999:

Heute ist nur noch das DINO in Betrieb, überwacht somit die überwiegend digitalen und verbleibenden analogen Übertragungen gleichzeitig. Aktuelle Bilder:


Auch das erste SOC hat bereits ausgedient. Bevor es geschlossen wurde, war es bereits mit Kontrollpulten völlig überfüllt.
Im linken Teil des Bildes sind die Dokumentationsschränke für die einzelnen Satelliten zu sehen, die sehr viel Platz beanspruchen.


SOC 2 wurde 2000 in Betrieb genommen. Von hier aus werden heute alle Astra-Satelliten überwacht.


Mit der Vergrößerung des Astra-Systems und die Inbetriebnahme der Positionen 28° und 23° Ost, stieg bis heute auch die Zahl der in Betzdorf installierten Parabolantennen. Zählen macht inzwischen kaum noch Sinn.
Bau weiterer Antennen (hier für Astra 3A)


Am doppelten Zaun erkennt man die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen (Bild von 2004):


Mit aktuellen Hires-Bildern (2003) beende ich diesen Einblick in die Betzdorfer Bodenstation:



Backupstation und rechts daneben Warenannahme (im Hintergrund Chateau de Betzdorf):


Bildernachweis: SES-Astra, Steve Kaiser, Hitec, aha, Betzdorf.lu

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